Zusammen mit Vertretungen der LAG Lahn-Dill-Wetzlar und einer Vertretung des hessischen Wirtschaftsministeriums waren wir als IfLS zu Gast bei unserem Projektpartner, der Planungsregion Zemgale. Der Anlass: das Partnermeeting von INSPIRE – Innovative and Smarter Policy Instruments for Rural Europe. Zu einem Thema, das uns alle betrifft: die Frage, wie Dörfer ihre Zukunft selbst gestalten können.
Was macht ein Dorf eigentlich „smart"? Nicht das flächendeckende 5G-Netz, nicht jede kommunale App und schon gar nicht Digitalisierung um jeden Preis. Der Grundgedanke des Smart-Village-Ansatzes ist ein anderer: Dörfer befähigen, ihre Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen – gestärkt durch Digitalisierung und getragen von engagierten Gemeinschaften. Smart beginnt also immer mit dem lokalen Bedarf, nicht mit der Technologie. Digitalisierung ist Werkzeug, nicht Ziel.
In Deutschland diskutieren wir den Ansatz mit der LEADER-Region Lahn-Dill-Wetzlar: Die Lokale Aktionsgruppe übernimmt längst die Rolle, die der Smart-Village-Ansatz fordert. Sie baut Brücken zwischen Bürgerschaft, Kommunen, Verwaltung und Wirtschaft, setzt Prioritäten von unten nach oben und übersetzt Ideen aus Bürgerversammlungen in konkrete Projekte.
Inspirierend für unsere Arbeit in der Region – und für das Politikinstrument LEADER insgesamt – ist immer wieder der Austausch mit unseren europäischen Partnern. In Lettland haben wir gesehen und diskutiert, wie Smart Villages dort konkret gelebt werden: In Workshops haben wir uns mit dem Habitability-Konzept als Ansatz für eine Status-quo-Analyse auseinandergesetzt – was macht ein Dorf wirklich bewohnbar und lebenswert? Dazu gab es Vorträge zur Dorfentwicklung und die Gelegenheit, digitale Anwendungen in der Praxis zu erleben – etwa Augmented Reality im Tourismus an Orten, an denen keine Gästeführung tragfähig wäre.
Diskutiert wurde außerdem die Vorstellung eines Smart Village Awards – inklusive der spannenden Frage, welche Bewertungskriterien hinter einem solchen Preis stehen müssten. Auch das zeigt: Es geht beim Smart-Village-Ansatz ums Ganze – Wirtschaft, Leben, Mobilität, Menschen, Umwelt und Governance.
Wir nehmen viele Denkanstöße mit nach Hessen – in unser fortlaufendes Gespräch darüber, wie die Lokale Entwicklungsstrategie 2023–2027 der Region Lahn-Dill-Wetzlar noch „smarter" werden kann.
Mehr zum Projekt: interregeurope.eu/inspire
Ansprechpersonen am IfLS: Hanna Kramer (kramer[at]ifls.de); Dr. Ulrich Gehrlein (gehrlein[at]ifls.de)


