Reallabore
Im RegioBlau-Vorhaben arbeiten Forschungs- und Praxisakteur:innen transdisziplinär zusammen. Die Zusammenarbeit geht über verschiedene Disziplinen, d.h. Forstwirtschaft, der Wasserwirtschaft, des Naturschutzes, der Landschaftspflege etc. („Interdisziplinarität“), hinaus. Auf Praxisebene werden Fach- und Kommunalverwaltungen, Behörden, Betriebe, Vereine und Interessenverbände und andere beteiligt und eingebunden. Eine regionale Projektgruppe mit Vertreter:innen verschiedener Disziplinen und Akteursgruppen steuert und unterstützt den Reallaborprozess in den Pilotregionen.
Die Implementierung der zwei Reallabore erfolgt gemeinsam durch das IfLS e.V., den Projektpartner für Kommunikation und Moderation und die Praxispartner in den Pilotregionen „Nördliches Rheinland-Pfalz“ sowie "Rhön-Vogelsberg". Praxispartner sind die Forstämter in Hachenburg und Altenkirchen der Landesforsten Rheinland-Pfalz sowie die Forstämter Hofbieber und Schlüchtern des Landesbetriebs HessenForst.
Nördliches Rheinland-Pfalz

Die Forstämter Hachenburg und Altenkirchen liegen im nördlichen Rheinland-Pfalz. Sie betreuen insgesamt 100 waldbesitzende Kommunen mit ca. 15.800 ha Kommunalwald sowie ca. 10.300 ha Privatwald im Realteilungsgebiet, die zum Teil in Haubergsgenossenschaften organisiert sind oder als Interessentenwald im Rahmen eines Beförsterungsvertrages bewirtschaftet werden. Zwei Großprivatwaldbetriebe grenzen an die Forstverwaltungen an. Die Forstämter umfassen bzw. schneiden die Gewässereinzugsbereiche der Nister, der Sieg und der Wied. Fast alle Gemeinden sind durch Starkregenereignisse gefährdet. Bisher werden vorwiegend Projekte zum Schutz vor Hochwasser und Starkregenereignissen mit Schwerpunkt im Siedlungsbereich umgesetzt.
Die Forstämter haben großes Interesse die Kommunen verstärkt in Maßnahmen des Wasserrückhalts u.a. zur Hochwasservorsorge und für den Starkregenschutz einzubinden. Bisher werden Maßnahmen etwa zu dem Verschluss von Entwässerungsgräben und Wasserableitungen an Wegen, Querrinnen im Hang, Rigolen, Sickermulden, Keylines oder zur Renaturierung von Feuchtgebieten umgesetzt. Ein zentrales Thema bei der Verbesserung des Wasserrückhalts ist auch der sensible Umgang mit den großen Kalamitätsflächen. Die Wiederbewaldung erfolgt vorrangig durch Naturverjüngung, ergänzt durch Pflanzung (insb. Eiche, Edelkastanie, Tanne). An der Naturverjüngung hat die Fichte jedoch zum Teil erhebliche Anteile.
Die Dienststelle Hachenburg umfasst neben dem Forstamt auch das Waldbildungszentrum sowie seit 2024 das Forum 'Wald und Gesellschaft' mit einem landesweiten Bildungsauftrag. Damit spricht das Forstamt eine sehr breite Zielgruppe an. Es adressiert sowohl Forstleute und Forstunternehmen im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung, als auch Waldbesitzende, Kommunalpolitiker:innen, Naturschutzvertreter:innen, Verwaltungen, die breite Öffentlichkeit sowie internationale Gäste. Das Forstamt Altenkirchen bietet zudem gemeinsame Informationsveranstaltungen für Privatwaldbesitzende mit dem Kreiswaldbauverein an.
Rhön-Vogelsberg

Die Pilotregion Rhön-Vogelsberg zeichnet sich durch ihre vielfältigen naturräumlichen Bedingungen aus. Durch das Zusammentreffen der drei Mittelgebirge Rhön, Vogelsberg und Spessart entstehen unterschiedliche geologische Ausgangslagen, die zu variierenden Standortbedingungen in den Forstämtern Hofbieber und Schlüchtern führen. Charakteristisch für die Region sind hohe Laubholzanteile sowie unterschiedlich ausgeprägte Niederschlagsmengen. Zudem verläuft durch die Landkreise Fulda und Main-Kinzig-Kreis die Rhein-Weser-Wasserscheide. Hier treffen die Einzugsgebiete von Kinzig und Sinn (Rhein-System) sowie Fliede und Fulda (Weser-System) aufeinander.
Die beiden Forstämter Hofbieber und Schlüchtern betreuen insgesamt rund 6.100 Hektar Kommunalwald und 7.100 Hektar Privatwald mit Realteilungsstrukturen. Die Waldbesitzenden organisieren sich teilweise in den Forstbetriebsgemeinschaften Hessische Rhön und Bergwinkel. Zu den Akteurinnen und Akteuren zählen unter anderem Forstbetriebsvereinigungen, Waldgenossenschaften, kommunale Waldbesitzende, Kirchenwälder und Großprivatwaldbetriebe.
Das Forstamt Hofbieber wurde im Jahr 2020 als „Modellbetrieb für Biodiversität PLUS“ ausgezeichnet. Im Rahmen dieses Projekts werden Maßnahmen entwickelt und erprobt, die dem Erhalt und der Förderung der biologischen Vielfalt im Landeswald dienen. Darüber hinaus haben die Forstämter Hofbieber und Schlüchtern sowohl im Staatswald als auch gemeinsam mit kommunalen Waldbesitzenden bereits verschiedene Projekte zum Wasserrückhalt umgesetzt. Dazu gehören die Anlage von Rückhaltebecken und Biotopen, der Rückbau von Entwässerungsgräben, die Renaturierung von Gewässern und Mooren, die Wiederansiedlung des Bibers sowie verschiedene Maßnahmen entlang von Wegen. Zukünftig soll die Widerstandsfähigkeit der Wälder durch vielfältige Maßnahmen in den Bereichen Waldbau, Bodenschutz, Gewässerentwicklung, Infrastruktur sowie durch den Rückbau bestehender Entwässerungssysteme verbessert werden.