RegioSöl

Der Ökolandbau leistet einen wichtigen Beitrag zu vielen ökologischen und sozialen gesellschaftlichen Zielen, die in den Nachhaltigkeitszielen der UN (SDGs) manifestiert sind. Diese sozialen und ökologischen Leistungen (SÖL) sollen mehr als bisher durch verschiedene politische und markt-basierte Instrumente honoriert werden. Allerdings gibt es viele Ziel-Bereiche – insbesondere zu den sozialen Zielen – in denen der direkte Beitrag qualitativ kaum darstellbar ist und erst recht nicht quantifiziert werden kann. Dies wäre aber eine wichtige Voraussetzung für transparente und nachvollziehbare Honorierung der Leistungen.

Ebenso fehlen Ansätze zur Erfassung der indirekten Leistungen/Wirkungen, möglicher Synergien oder auch Wechselwirkungen. Diese sind häufig nicht einzelnen Betrieben zuzuordnen, sondern dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren in sozial-ökologischen Systemen auf regionaler Ebene. Entsprechend sind regionale Ansätze besonders geeignet, die verschiedenen gesellschaftlichen Ziele gleichermaßen darzustellen und dann diese z. B. mittels territorialer und Wertschöpfungsketten-basierter Ansätze zu honorieren. Sie ermöglichen es, die Bereitstellung auf regionaler Ebene zu optimieren, indem die unterschiedlichen naturräumlichen, strukturellen Bedingungen und die Fähigkeiten der einzelnen Betriebe bestmöglich genutzt werden.

RegioSÖL trägt dazu bei, die Bereitstellung von sozialen und ökologischen Leistungen in der Wertschöpfungskette Ernährung des Ökolandbaus durch eine transparente Erfassung in einem regionalen Bezugsraum sichtbar zu machen und durch eine angemessene Honorierung zu erhöhen.

Das Projekt verfolgt 3 spezifische Ziele:

(1) Eine verbesserte Erfassung der gesellschaftlichen Leistungen des ökologischen Landbaus auf regionaler Ebene und deren Sichtbarmachung,

(2) eine angemessene Honorierung der SÖL durch kollektive Ansätze auf Basis von (1),

(3) mit regionalen Handlungsstrategien zur Optimierung der Bereitstellung der Leistungen beizutragen und damit die Nachhaltigkeit der Region zu verbessern.

Diesem Ansatz liegt das Verständnis zugrunde, dass die Inwertsetzung von sozialen und ökologischen Leistungen in der Landwirtschaft nur über die Kaskade Bewusstsein – Wertschätzung / Interesse – Wertschöpfung erfolgen kann. RegioSÖL befasst sich deshalb mit folgenden übergeordneten Forschungsfragen: Welche Ansätze eignen sich zur regelmäßigen transparenten Erfassung der Sozial-Ökologischen Leistungen des Ökolandbaus? Wie können bestehende Honorierungsansätze für SÖL verbessert werden? Wie können regionale Strategie-Ansätze zur Optimierung der Bereitstellung von SÖL beitragen? Welche politischen und institutionellen Verbesserungen sind nötig? Das Vorhaben stützt sich auf einen sozial-ökologischen Systemrahmen sowie auf den mit der Transitionstheorie verbundenen Multi-Ebenen-Ansatz als analytischen Rahmen.


Projektbausteine

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Aktuelles


Pilotregionen

Ökolandbau Modellregion Nordhessen (ÖLMN)

Die ÖLMN als Pilotregion im RegioSÖL-Vorhaben umfasst den Landkreis Kassel (LK KS) und den Werra-Meißner-Kreis (WMK). Die ländlich geprägte Region verfügt mit Kassel, der einzigen Großstadt Nordhessens, ein Oberzentrum mit ca. 205.000 Einwohnern.
Beide Gebietskörperschaften verfügen über eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft, die im LK KS durch die Naturparke Habichtswald und Kaufunger Wald/Söhre sowie den Reinhardswald bereichert wird. Im von den Mittelgebirgen geprägten WMK liegt der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land mit dem Meißner-Kaufunger Wald, dem Hohen Meißner und der Werra. Schwierig zu bewirtschaftende Flächen werden vor allem von Bio- und Nebenerwerbsbetrieben zur extensiven Bewirtschaftung von Grünland durch Rinder und Schafe genutzt. Dies trägt dazu bei, dass sich im WMK ein Hotspot der Biodiversität gebildet hat.Von den Betrieben, die 2019 im WMK einen Agrarantrag stellten, waren 12% Biobetriebe, die 15% der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaften. Im LK KS waren 10,8% Biobetriebe mit einer Fläche von insgesamt 10%.

Rheinland

Für das RegioSÖL-Vorhaben ist die Pilotregion Rheinland als Regierungsbezirk Köln definiert. In diesem gibt es aufgrund der naturräumlichen, klimatischen und strukturellen Gegebenheiten sehr unterschiedliche landwirtschaftliche Prägungen. Es lassen sich 5 Teilregionen beschreiben: die KölnAachener Bucht, die Zülpicher Börde, die Eifel, das Bergische Land, das Niederrheinische Tiefland und die urbanen Regionen Köln/Bonn und Aachen.

Die landwirtschaftliche Nutzung im Umland der Städte Aachen, Leverkusen, Köln und Bonn konkurriert stark mit den Flächenansprüchen anderer Nutzungsarten wie Siedlungs-, Verkehrs- und Erholungsflächen. Hier ist der Verlust landwirtschaftlicher Flächen besonders hoch. Andererseits profitiert die Landwirtschaft von der Nähe zu den Verbrauchern. Die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region sind in der Regel stark spezialisiert und in den letzten Jahrzehnten gewachsen. Flächen werden größer, Tierhaltung und Anbaumethoden intensiver. Für nachhaltige Landbewirtschaftung gibt es verschiedene Ansätze, die sich unterschiedlich auf soziale, ökologische und regional-ökonomische Faktoren auswirken. Diese gilt es zu definieren, zu erfassen und zu bewerten.


Projektteam

Die wissenschaftliche Koordinierung des RegioSÖL-Vorhabens liegt beim IfLS, das auch in allen Arbeitspaketen in wesentlicher Funktion involviert ist. Die weiteren Partner ZÖL und RWAG Rheinland (als Unterauftragnehmer) sind an allen Arbeitspaketen beteiligt, um einen kontinuierlichen gemeinsamen Wissensgewinn und eine enge Abstimmung mit Akteuren in den Regionen zu ermöglichen. Ihre Rolle ist vor allem in der Entwicklung der Erfassungs-, Honorierung-, und Optimierungsansätze und deren Erprobung in den Pilotregionen bedeutsam. Sie leisten aber auch wesentliche Beiträge bei der Verbreitung und dem Wissenstransfer durch die Nutzung ihrer jeweiligen Netzwerke als Multiplikatoren.

Ihre Ansprechpartnerinnen am IfLS (Projektkoordination)

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IflS: Simone Sterly (sterly[at]ifls.de) & Marie Sophie Schmidt (schmidt[at]ifls.de)

Ihre Ansprechpartnerinnen am ZÖL (Verbundpartner)

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ZöL e.V.: Silke Flörke (floerke.modellregion[at]uni-kassel.de) & Sabine Marten (marten.modellregion[at]uni-kassel.de)

Ihre Ansprechpartnerin der Regionalwert AG Rheinland (Unterauftragnehmer)

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Regionalwert AG Rheinland: Dorle Gothe (gothe[at]regionalwert-rheinland.de)